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Anne Freytag

Rezensionen/Reviews

[Rezension] Renate Hoffmann von Anne Freytag

5. März 2016
Reante Hoffmann von Anne Freytag

Reante Hoffmann von Anne Freytag

Renate Hoffmann hat einen Entschluss gefasst. Sie will sich von ihrem Balkon aus in den Tod stürzen. Sie hat genug Gründe dafür. Doch irgendwie kommt immer wieder etwas dazwischen. Eine neue Vorgesetzte zum Beispiel. Oder Herberts Briefe. Oder auch die Erkenntnis, dass sie noch nie masturbiert hat oder am Meer war.

„Denn auch wenn man es nicht sehen konnte, weil sie atmete und sich bewegte, so war Renate an diesem eisigen Novembertag gestorben. Sie würde leben, jedoch ohne lebendig zu sein.“ (S. 266)

Aber sie hatte nicht immer sterben wollen. Vor einigen Jahren, da war sie ganz anders. Sie war nicht nur am Leben, sie hatte tatsächlich gelebt. Sieben Jahre früher war das Leben noch voller Möglichkeiten. Bis zu diesem einem Tag im November…

Meinung
Anne Freytag erzählt uns Renate Hoffmanns Geschichte mit einem sehr distanzierten, schnörkellosen Schreibstil. Und trotzdem ging mir die Geschichte unter die Haut. Dieser Stil hat perfekt zu Frau Hoffmann, die sie am Anfang der Geschichte ist, gepasst.

„Normalerweise zögerte Renate Hoffmann nie. Frau Hoffmann gehörte zu jenen Menschen, die immer alles bis ins kleinste Detail durchdachten und anschließend dem zuvor festgelegten Plan akribisch folgten“ (S. 3)

Frau Hoffmann ist eine unscheinbare, steife Person. Sie hat eine schmucklose Wohnung in einem tristen Plattenbau. Sie hat keine Freunde, redet mit niemanden und geht ihrer Arbeit als Buchhalterin pflichtbewusst nach. Sie hat zahlreiche Zwangsneurosen, sieht immer nur ihre gleiche Serie auf Video, putzt sich immer zur gleichen Zeit und exakt getimed die Zähne. Und sie ist einsam und wird ständig von einem Albtraum heimgesucht. Bis sie schließlich den Entschluss fasst, sich von ihrem Balkon im 11ten Stock zu stürzen.

Doch dann fällt ihr ein, dass sie noch nie geraucht hat, noch nie am Meer war. Und ständig kommt irgendetwas dazwischen. Bis sie schließlich merkt, dass sie ja doch ein bisschen am Leben hängt. Bis sie anfängt, die Geschehnisse, die sie dazu gebracht haben, sich überhaupt das Leben nehmen zu wollen, zu verarbeiten.

„Es tat weh, ihn gehen zu sehen, es tat weh, dass er am Horizont immer kleiner wurde und schließlich verschwand. Und doch wusste Renate, dass es an der Zeit gewesen war, ihn endlich gehen zu lassen.“ (S. 220)

Und während sie diese Dinge verarbeitet, erfahren wir in Rückblicken viel über ihr damaliges Leben, als sie noch bunt, statt grau war, Renate statt Frau Hoffmann. Über die Steine die ihr in den Weg gelegt wurden. Darüber, was damals, an diesem grauen Novembertag passierte. Und wir erfahren, warum Frau Hoffmann zu der wurde, die sie zu beginn der Geschichte war. Dabei erahnen wir recht bald, was passieren wird und wissen irgendwann ganz genau, worauf die Geschichte zu steuert. Und je näher der Zeitpunkt kam, desto mehr hoffte ich, es möge nie passieren. Was ja schwachsinnig ist, weil ich ja schon wusste, das es passiert und es kein zurück gibt.

Während sie ihre Geschichte verarbeitet, wird sie mit jeder Seite wieder mehr zu der Frau, die sie einmal gewesen ist. Sie merkt, wie kostbar das Leben ist und dass es trotz allen Widrigkeiten und Schicksalsschlägen doch noch lebenswert sein kann. Und sie merkt ganz besonders, dass sie liebenswert ist und ganz und gar nicht so schrecklich, wie sie sich selbst immer wahrnimmt.

„Frau Hoffmann betrachtete sich im Spiegel. […] Diese fremde, harte Frau war Frau Hoffmann unheimlich und gleichzeitig war sie ihr vertraut. Und in diesem Moment dämmerte ihr, dass diese fremde, harte Frau die letzten Jahre ihr Überleben gesichert hatte. Sie hatte dafür gesorgt, dass Frau Hoffmann nicht auseinandergefallen war.“ (S. 151/152)

Anne schafft es einfach hervorragend, Geschichten und Protagonisten zu erschaffen, die direkt aus dem Leben gegriffen sind. Ich habe mich jeder Zeit als Teil der Geschichte gefühlt, war gemeinsam mit Renate auf ihrem Balkon gesessen, habe mit ihre die schlimmen, aber auch guten Zeiten erlebt. Ich habe gelacht und geweint. Ein Buch das einfach von vorne bis hinten stimmt und sich fast schon wie ein Film in meinem Kopf abspielte.

Fazit
Eine Geschichte einer doch noch recht jungen Frau, die jeglichen Lebensmut verloren hat. Und die es dennoch schafft, sich wieder ans Licht zu kämpfen. Ein Buch darüber, wie wichtig es ist, sich aus einem Loch, mag es noch sie tief sein, wieder heraus zu kämpfen. Und das Leben jeden Tag voll auszukosten.

5herzen

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Infos zum Buch:

Autorin: Anne Freytag
Erscheinungsjahr: 2013
Verlag: Freytag Literatur
Seiten: 308
Format: Taschenbuch

 

Autorin:

Anne Freytag wurde 1982 in München geboren und studierte International Management. Sie arbeitete in einer Werbeagentur, bevor sie es wagte, ins kalte Wasser zu springen und sich voll und ganz dem Schreiben zu widmen. Wenn sie nicht schreibt, dann hat sie ihren Spaß mit Adriana Popescu im Facebook-Chat, macht Fahrradtouren durch München mit ihrem Freund, liebt es, um Mitternacht Dinkel-Poppys zu essen und im Internet nach alten Möbeln zu suchen.

Rezensionen/Reviews

[Rezension] Irgendwo dazwischen - Anne Freytag

23. November 2014
Anne Freytag - Irgendwo dazwischen (c) Coverbild: George Mayer - fotolia.com

Anne Freytag - Irgendwo dazwischen (c) Coverbild: George Mayer - fotolia.com

inhalt3

Emma schläft mit Clemens, denkt dabei aber an Stefan - den sie liebt und der in Kanada ist. Sie ist perfekt und Lili nur ihr Schatten. Lili, die klug ist und verliebt in Elias. Emma ist wunderschön und blond. Marie liebt Lili und Lili Elias, aber der bekommt Besuch von Giselle. Emma weiß genau, sie liebt Clemens nicht, Lili hingegen redet sich ein, dass sie Elias nicht liebt und Marie, denkt das sie genau weiß, was sie will und wer sie ist - bis zu dieser einen Nacht mit Paul.

Aber am Ende suchen sie alle nur eines, sich selbst, während sie nur irgendwo dazwischen sind. Zwischen Jugendlichkeit und Erwachsensein, zwischen Träumen und der Realität.

Meinung

Schreibstil und Charaktere:

Anne Freytag schafft es mit ihrer lockeren, jugendlichen Art zu schreiben, Emma, Lili und Marie einzigartig, individuell und sehr authentisch darzustellen. Alle drei konnte ich mal leiden, dann wieder nicht. Alle habe ich aber in mein Herz geschlossen. Es ist in der Ich-Perspektive geschrieben, immer abwechselnd mal aus Emmas, Lilis und Maries Sicht. Das liebe ich sehr an Anne’s Büchern, da man so die Geschichte durch alle erfährt und von allen drei Protagonistinnen ihr wahres Ich kennen lernt.

„Ich hasse mich dafür, dass es mir so wichtig ist, was andere über mich denken. Ich wünschte, ich wäre anders. Aber ich würde lügen, wenn ich so tun würde, als wäre es mir egal. Das ist es nicht.“ (S. 21)

Geschichte:

Mir fällt es diesmal richtig schwer, meine Gedanken zu dem Buch in Worte zu fassen. Es hat mich erst irgendwie genervt, das es anfängt, mit 9 Jahre zuvor und dann hunderte Seiten lang diese 9 Jahre zuvor beschrieben sind und ich aber immer wissen wollte, was den heute ist. Aber diese letzten Seiten haben dafür entschädigt, denn dann merkte ich, dass es genau so, wie es ist, perfekt gemacht ist. Denn als Leser muss man erst all die Wochen in diesem einem Sommer zwischen Jugend und Erwachsen werden miterleben, um das Buch und die letzten Seiten richtig greifen zu können.

Mich hat das Buch sehr berührt und ziemlich oft auch zum Weinen gebracht. Denn ich konnte gar nicht anders, als über mein Leben nachzudenken, und habe angefangen, diese Freiheit der Jugend und dieses Kribbeln und Knistern der ersten Liebe zu vermissen. Ich bin immer noch sehr sprachlos und erstaunt, wie schnell mehr als 600 Seiten dahinfliegen können und wie tief sie einen berühren können.

Ich denke, dass jeder der das Buch liest, sich mit einer der drei Protagonistinnen identifizieren kann. Mir ging es genauso. Es war ein wundervolles Buch, voller Gefühl, Liebe, diesem Kribbeln im Bauch, Freiheit und allem voran, voller Freundschaft. Dies tiefe Freundschaft, die man mit jemanden aufbaut, mit dem man seit Jahren zusammen ist, der immer für einen da ist und die alle Streitigkeiten überwindet.

Fazit

Ich habe zwar gebraucht, mich in das Buch zu finden, aber das Gesamtpaket war so perfekt und richtig, so authentisch und hat mich tief berührt. Es wird mich noch lange begleiten und zum Nachdenken bringen. Es versetzt einen zurück in dieses Zeit irgendwo dazwischen, voller Herzschmerz, Träume und Freundschaft und lässt einen dann knallhart in die Realität fallen mit einem Hauch Hoffnung am Ende. Hoffnung darauf, dass es noch lange nicht zu spät ist, sein Leben noch zu Leben, das Kribbeln und die Schmetterlinge im Bauch wieder zu finden und seine Träume zu verwirklichen.

5herzen

Autor:

Anne Freytag wurde 1982 in München geboren und studierte International Management. Sie arbeitete in einer Werbeagentur, bevor sie es Wagte, ins kalte Wasser zu springen und sich voll und ganz dem Schreiben zu widmen. Wenn sie nicht schreibt, dann hat sie ihren Spaß mit Adriana Popescu im Facebook-Chat, macht Fahrradtouren durch München mit ihrem Freund, liebt es, um Mitternacht Dinkel-Poppys zu essen und im Internat nach alten Möbeln zu suchen. Schaut doch auch mal auf ihrer Website vorbei.

 

Rezensionen/Reviews

[Rezension] Eigentlich Liebe - Anne Sonntag

15. November 2014
Eigentlich Liebe von Anne Sonntag (c) Piper

Eigentlich Liebe von Anne Sonntag (c) Piper

inhalt3

Hanna, Clara und Vero, dass sind drei Freundinnen, die durch dick und dünn gehen. Alle drei sind entweder unglücklich, verlassen oder betrogen. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, sind sie auch noch auf eine Traumhochzeit eingeladen. Eine Traumhochzeit bei der sie weder Braut noch Brautjungfer sind. Doch beim Blick auf die Gästeliste wird es spannend. Denn ein paar sehr gut aussehende Männer sorgen für Gefühlschaos und Herzklopfen und die Frage ist am Ende: Wer gehört denn eigentlich zu wem?

Meinung

Schreibstil:

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive erzählt und zwar immer abwechselnd mal aus Sicht von Hanna, Clara und Vero. Das hat mir richtig gut gefallen. So erleben wir die Geschichte durch alle drei und haben richtig viel Gelegenheit, jede gut kennen zu lernen. Es hatte fast etwas von einer Serie oder einem Film und machte Spaß. Sehr gut fand ich auch, dass das Buch mit Hanna einsteigt und auch mit ihr wieder aufhört. Ich mochte den Schreibstil sehr, so direkt und klar und gleichzeitig wundervoll beschreibend und gefühlvoll.

„Die Welt um mich herum zieht sich zurück, verstummt als wäre ich plötzlich unter Wasser während mich die Erkenntnis trifft, wie eine Welle, die sich tosend an Land geworden hat, um mich dann klammheimlich mit in die Tiefe zu reißen.“ (S. 151)

Charaktere:

Wir erleben das Buch aus Sicht von Clara, Hanna und Vero. Zunächst geht es mit Hanna los. Hanna, die eher schüchterner ist, gerne auch mal Panik-Attacken hat, sich mit Entscheidungen schwer tut und es mit der Schlagfertigkeit nicht so hat. Was ich super sympathisch fand und mich sehr an mich selbst erinnerte.

Weiter ging es mit Clara, die eine Schönheit ist mit ihren langen braunen Haaren, ihren Rehaugen und dem verführerischen Blick. Sie ist gerade erst verlassen worden, obwohl sie sich so sicher war, jeden Moment den Antrag zu bekommen. Clara, die sowas gar nicht auf sich sitzen lassen will und die durchtriebene der Drei ist. Und die gar nicht mehr wusste, was die Liebe und das Leben eigentlich für sie bereit halten kann.

„Selbst wenn alles nur Show war, weiß ich jetzt wieder, wie es sein kann - wie es sich für mich anfühlen kann.“ (S. 211)

Und schließlich noch Vero. Vero hat lange schlanke Beine. Früher war sie mal, wie sie sich selbst sieht, ein Püppchen, mit langen, blonden Locken, das in engen Kostümen herum gelaufen ist und immer zu kicherte. Doch das hat sie abgeschafft, sie macht mit ihren 27 Karriere, hat jetzt einen kurzen Pixischnitt und trägt Hosenanzug.

„Ich habe meine kühle Fassade inzwischen so perfektioniert, dass sie zu einem Teil von mir geworden ist. Oder bin ich ein Teil von ihr geworden?“ (S. 20)

Und ihre Beziehung mit dem heißblütigen Italiener Enzo ist längst nicht mehr das, was sie mal war. Doch ist das so, weil die beiden nicht mehr zusammen passen. Oder weil Vero nicht mehr in ihre Fassade passt?

Geschichte:

Das Buch erzählt eigentlich nur von zwei Tagen. Dem Rest von Tag eins, an dem wir Einsteigen, als Clara den Laufpass bekommt und Hanna sich ihn ihren Nachbarn verknallt und Vero darüber nachdenkt, ob sie wirklich noch glücklich ist mit Enzo.

Und dem Tag der Traumhochzeit eines alte Freundes von den drei. Alle drei sind nicht gerade auf der Höhe, traurig, einsam, verlassen und unglücklich machen sie sich auf den Weg dorthin. Eigentlich haben sie gar keine Lust mehr, doch dann beschließt Clara mit einem heimtückischen Plan doch auf die Hochzeit zu gehen, Hanna stürzt sich in einen leidenschaftlichen One-Evening-Stand und Gero fühlt sich auf einmal zu zwei Männern hingezogen..und einer davon ist nicht ihr Freund.

Wir erleben eine wundervolle, filmreife Geschichte. Dabei begleiten wir alle drei durch den Tag, der viele Höhen und Tiefen bereit hält

„Jetzt heißt es aufräumen, sich aufrappeln, den Staub abklopfen und das Krönchen richten - und dann heißt es weitergehen, weil das Leben nicht ewig wartet.“ (S. 202)

Es ist ein Buch wie eine Achterbahnfahrt der Gefühle, voller Lachen, Freude und Tränen, Romantik und Herzschmerz, Höhen und Tiefen, ein Buch wie ein Film, der einen mitreißt und zum Nachdenken bringt und mit einem Lächeln zurück lässt.

„Ich will mich nicht als Experte in Liebesdingen aufspielen, aber ich denke, ich weiß, wenn ich wahre Liebe sehe. Die Art von Liebe, die einen gemeinsam stark sein und Hindernisse überwinden lässt und für die in ‚guten wie in schlechten Zeiten‘ nicht nur Worthülsen sind.“ (S. 149)

Fazit

„Alles, was mir gefehlt hat, war eigentlich Liebe“ (S. 261)

Ein wundervolles Buch. Es hat mich großartig unterhalten und mit genommen auf eine Gefühlsachterbahn voller Höhen und Tiefen, Freude und Kummer. Es brachte mich zum Lachen, Weinen und zum Nachdenken und am Ende ist doch eines klar - eigentlich brauchen wir doch alle nur Liebe. Ich gebe wohlverdiente fünf Herzen.

5herzen

Autor:

Anne Sonntag ist das Pseudonym von der Autorin Anne Freytag. 1982 wurde sie in München geboren und studierte International Management. Sie arbeitete in einer Werbeagentur, bevor sie es Wagte, ins kalte Wasser zu springen und sich voll und ganz dem Schreiben zu widmen. Wenn sie nicht schreibt, dann hat sie ihren Spaß mit Adriana Popescu im Facebook-Chat, macht Fahrradtouren durch München mit ihrem Freund, liebt es, um Mitternacht Dinkel-Poppys zu essen und im Internat nach alten Möbeln zu suchen. Schaut doch auch mal auf ihrer Website vorbei.

 

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