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Rezensionen/Reviews

[Rezension] Totenhaus - Bernhard Aichner

25. September 2015

inhalt3

Totenhaus von Bernhard Aichner (c) BTB

Totenhaus von Bernhard Aichner (c) BTB

Autor: Bernhard Aichner

Verlag: BTB

Erscheinungsjahr: 2015

Seiten: 413

Format: Hardcover

Preis: [D] 19,99 € [A] 20,60 € [CH] 26,90 €

Auf dem Innsbrucker Friedhof werden bei einer Exhumierung in einem Sarg zwei Köpfe und vier Beine gefunden. Es kann sich nur um Mord handeln. Und nur die Bestatterin Blum, die die Toten damals eingebettet hat, kommt als Täterin in Frage. Jetzt ist sie auf der Flucht und sucht Schutz an einem Ort, den sie besser niemals betreten hätte….

„[…] Weil sie sterben wird. Weil sie auf diesem Teppich liegen bleiben und tot sein wird.“ (S. 7)

Meinung
Auch in diesem zweiten Teil kann mich Bernhard Aichner, wie schon bei Totenfrau, mit seinem Schreibstil überzeugen. Ich liebe es, wie knallhart, kühl und fast schon emotionslos er schreibt. So klar und brutal. Das passt einfach zu hundert Prozent auf diese ebenso harte, packende, faszinierende aber gleichzeitig schockierende Geschichte rund um die Bestatterin Blum.

Blum ist für mich auch in diesem zweiten Band wieder die wichtigste Person ohne die der Schreibstil nicht funktionieren würde und umgekehrt. In Totenfrau haben wir erlebt, wie sie den Tod von Mark rächt, seine Mörder erbarmungslos jagt und zerstückelt. Ganz im Stil von Dexter. Dieser zweite Teil ist zwar auch immer noch total abgedreht und zum Teil krank, aber dieses Mal war die Geschichte weit weniger brutal, fast schon harmlos im Vergleich. Wir erleben erst, wie sie versucht sich vor allem seelisch über Wasser zu halten. Wir erleben Blum als liebevolle, fürsorgliche Mutter, die alles für ihre Kinder tun würde. Bis ihr Leben zunächst wegen eines Bildes in der Zeitung und dann noch wegen einesErbschaftsstreits, der dafür sorgt, dass der Sarg von damals geöffnet wird, erneut komplett aus den Fugen gerät.

(c) BTB Verlag

Ihr bleibt nichts anderes übrig, als abzutauchen. Ohne ihre Kinder, bei fremden Menschen, an einem Ort der ihr zum Verhängnis wird. Einem Ort, an dem die Menschen fast noch kranker sind als Blum selbst.

Dieses Mal konnte mich Aichner mit der Handlung komplett fangen, auch wenn ich sie teilweise wieder etwas unrealistisch fand. Es gab keine langwierigen, faden Stellen sondern ging alles rasant und dennoch in angenehmer Geschwindigkeit voran. Dabei überraschte er mich mit vielen Wendungen, mit denen ich im Leben nicht gerechnet hätte. Nach wie vor ist für mich der Schreibstil und Blum, die Verbindung zwischen diesen beiden Komponenten, die wahre Kunst an Aichners Buch, was die Geschichte fast schon nebensächlich macht.

Fazit

Mit Totenhaus konnte mich Aichner wieder überzeugen. Zwar finde ich nach wie vor, dass die Handlung streckenweise wirklich unrealistisch ist. Aber dieser einzigartige, rasante, brutale, fast schon emotionslose aber doch packende Schreibstil mit dieser außergewöhnlichen Protagonistin - das sind Punkte, die das Buch ausmachen, eine Komposition, die unter die Haut geht.

4herzen

Meine Empfehlung - lest unbedingt erst Band eins, damit ihr das Hintergrund wissen zu Blum habt! Und lest vorher die Leseprobe, damit ihr einschätzen könnt, ob der Schreibstil etwas für euch ist.

(c) BTB Verlag

Autor:

Bernhard Aichner wurde 1972 geboren und lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck. Er schreibt Hörspiele, Theaterstücke und Romane. Er wurde bereits mit mehreren Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet. Totenfrau ist der erste Roman, der bei btb erschien. Die Rechte wurden bereits vor Erscheinen international verkauft. Für die Recherche hat Aichner auch ein halbes Jahr bei einem Bestattungsunternehmen als Aushilfe gearbeitet.

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Rezensionen/Reviews

[Rezension] Die Therapie - Sebastian Fitzek

11. Februar 2015
Die Therapie von Sebastian Fitzek (c) Knaur

Die Therapie von Sebastian Fitzek (c) Knaur

Die 12-jährige Josy, Tochter des bekannten Psychiaters Viktor Larenz, verschwindet eines Tages unter mysteriösen Umständen. Es gibt weder Zeugen, noch Spuren oder eine Leiche. Ihr Schicksal bleibt ungewiss.

Vier Jahre später begegnen wir Viktor, der sich trauernd auf ein Ferienhaus auf Parkum zurückgezogen hat, um dort mit Hilfe eines Interviews endlich mit der Sache abzuschließen. Doch eine schöne Unbekannte, die von Wahnvorstellungen gequält wird, spürt ihn dort auf. In ihren Wahnvorstellungen erscheint ihr immer wieder ein kleines Mädchen, das ebenso wie Josy spurlos verschwindet. Ohne es geplant zu haben, beginnt Viktor mit der Therapie, die nach und nach immer mysteriöser wird.

Meinung

Die-Therapie-Sebastian-Fitzek

Schreibstil

Fitzek schreibt wunderbar flüssig und locker. Er schafft es, immer wieder kleine Hinweise und Cliffhanger am Ende von Kapiteln einzubauen, die einen stetig bei Laune halten und bei mir dafür gesorgt haben, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen wollte. Leider muss man ja auch mal schlafen. Er schafft es Personen, Umgebungen und Szenen detailreich und anschaulich zu beschreiben. Ich habe mich direkt gefühlt, als würde ich mit auf Parkum im Sturm gefangen sein.

Charaktere und Geschichte

Fitzek hat seien Charaktere sehr detailreich und authentisch gezeichnet. Viktor ist unser Hauptprotagonist, der auch die Geschichte erzählt. Er blieb aber trotzdem zum Teil etwas unnahbar, so richtig tief in ihn hineinblicken kann man nicht, was aber perfekt zu ihm und seiner Geschichte passt. Anna Spiegel ist sehr mysteriös und war mir von Anfang an nicht ganz koscher. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass sie wichtig ist und irgendwie das Zentrum der Geschichte.

„Und dann erzählte sie die schlimmste Geschichte, die Viktor je in seinem Leben zu hören bekommen sollte.“ (S. 73)

Viel zur Geschichte will ich euch nicht verraten, denn es ist schwer, über Fitzek zu rezensieren, ohne zu spoilern. Josy, Viktors damals 12-jährige Tochter, verschwindet eines Tages spurlos aus der Praxis eines Allergologen. Es gibt keine Spuren und keine Zeugen und die Polizei ist sich sicher, dass sie entführt wurde. Jahrelang gibt es kein Lebenszeichen von ihr, aber auch die Leiche wird nie gefunden. Diese Ungewissheit treibt Viktor schließlich dazu, alleine nach Parkum zu fahren. Dort will er in Ruhe ein Interview zu diesen Geschehnissen und seinem Gefühlsleben beantworten, um endlich die Sache abzuschließen.

Die Therapie von Sebastian Fitzek - Buchrücken (c) Knaur

Die Therapie von Sebastian Fitzek - Buchrücken (c) Knaur

Doch dann tauch die unbekannte Anna Spiegel auf, die ihn anfleht, ihr zu Helfen. Seit vier Jahren praktiziert er nun schon nicht mehr als Psychiater, aber er redet trotzdem kurz mit ihr. Aufgrund eines schweren Sturms kann Anna nicht von der Insel weg und so fängt Viktor nun doch an, sie zu therapieren. Doch diese Therapie wird ganz anders, als er sich es hätte vorstellen können. Die Geschichte von Anna ist unfassbar und zeigt viele Parallelen zum Verschwinden von Josy. Viktor kann jetzt nicht mehr anders und will unbedingt die ganze Geschichte erfahren, die nach und nach immer mysteriöser, unheimlicher und gefährlicher für ihn wird.

„Und vielleicht hätte er sich umgedreht und die Gefahr etwas früher kommen sehen, vielleicht.“ (S. 266)

Das Buch geht rasant los, direkt mit dem Verschwinden seiner Tochter. Es wird aus der Sicht von Viktor erzählt und in manchen Kapiteln wird angegeben, wie viele Tage es quasi noch bis zur Wahrheit sind. Wir treffen Viktor einmal im Jetzt, als er seine Geschichte Dr. Roth erzählt und dann in der Erzählung zu den Tagen auf Parkum, die fünf Tage vor der Wahrheit beginnt. Das Buch hat sich rasant entwickelt. Mit jeder Seite kamen neue Andeutungen, eine verwirrender und unverständlicher als die andere. An den Enden jedes Kapitels immer wieder Cliffhanger und Andeutungen, was für eine schreckliche Wahrheit Viktor bald erfahren wird und in was für eine Gefahr er sich bald bringt. Das hat mich tief in die Geschichte gezogen und dafür gesorgt, dass ich das Buch kaum noch weg legen konnte. Ich war tatsächlich richtig wütend, wenn ich an sowas nebensächliches wie Schlaf denken musste. Allerdings fand ich, dass die Auflösung dann icht ganz so packen war, wie dadurch suggeriert wurde.

Nach zwei Abenden hatte ich das Buch dann auch schon fertig und war vom Ende unfassbar überrascht. Eigentlich von den beiden Enden, denn nach dem eigentlichen nimmt der Epilog noch mal eine komplett andere Wendung. Das ganze Buch über habe ich gerätselt und gerätselt und mit keinem von beiden habe ich gerechnet. Allerdings hat mir der Epilog nicht so wirklich gefallen, irgendwie war das zu viel, ohne ihn wäre das Ende perfekt gewesen.

Fazit

Fitzek hat mit Therapie ein spannendes Buch, mit detailreichen und authentischen Charakteren geschaffen. Mich hat das Buch von vorne bis hinten gepackt und unterhalten. Ich mag es sehr, wenn ich immer wieder neu verwirrt werde und so nie auf die richtige Lösung komme. Das macht ein Buch für mich richtig spannend. Allerdings gibt es einen kleinen Punktabzug, da ich manche Szenen einfach zu detailreich fand, was zwischenrein das Lesetempo etwas gebremst hat und ich das zweite Ende, den Epilog, nicht wirklich mochte.

4herzen

Autor: Sebastian Fitzek

Erscheinungsjahr: September 2006

Verlag: Knaur Taschenbuch

Seiten: 332

Format: Paperback

 

Autor

Sebastian Fitzek, 1971 in Berlin geboren, ist der deutsche Star des Psychothrillers. All seine Bücher werden in 20 Sprachen übersetzt und sind selbst in der Heimat des Spannungsromans, England und USA, erhältlich. Fitzek lebt noch heute in Berlin, studierte Jura, promovierte im Urheberrecht und arbeitete als Chefredakteur und Programmdirektor für unterschiedliche Radiostationen in Deutschland. Er schrieb bereits zahlreiche Bestseller, wie Therapie, Amokspiel, Das Kind, Der Seelenbrecher, Splitter und viele mehr.

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Rezensionen/Reviews

[Rezension] Die Unbekannte - Peter Swanson

30. November 2014
Die Unbekannte - Peter Swanson (c) Blanvalet

Die Unbekannte - Peter Swanson (c) Blanvalet

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George führt ein ziemlich eintöniges und wenig ereignisreiches Leben. Er arbeitet seit Jahren für eine Zeitung, die mehr oder weniger gut läuft, hat eine gute Freundin mit Bonus und versinkt nach und nach in seiner Einsamkeit. Bis er eines Tages seine verloren geglaubte erste Liebe Liana Decter wiedersieht. Eigentlich müsste er aufgrund der damaligen Erlebnisse einige Vorbehalte haben, doch er lässt sich erneut auf sie ein. Er verspricht ihr einen Gefallen, der ihm den Hals brechen kann und ihn in ein Verbrechen verstrickt, dessen Ausmaß ihm erst viel zu spät bewusst wird.

 

Meinung

Schreibstil

Das Buch ist in der dritten Person geschrieben. Es ist locker und leicht mit einem recht einfachen aber doch bildhaften Schreibstil und lässt sich flüssig lesen. Es wechselt zwischen der Gegenwart und der Zukunft, wobei die Passagen der Vergangenheit immer kursiv geschrieben sind, sodass man sofort weiß, wann die Sichtweise gewechselt wird. Ich fand das Buch einfach zu lesen und die Rückblick fand ich sehr gut, da ich so viel über die Ereignisse, die zu den Geschehnissen in der Gegenwart führten, erfahren konnte.

Charaktere:

George Foss ist der Geschäftsführer einer Zeitung, die ihre besten Zeiten schon hinter sich hat und für die er schon seit Jahren arbeitet. Er ist fast 40 Jahre alt, ist ab und an mal mit Irene zusammen, meist aber nur freundschaftlich und unzufrieden mit dem Job und seinem Leben. So richtig warm wurde ich mit ihm nicht. Er war mir etwas zu gutgläubig und naiv und dann aber plötzlich zu misstrauisch und hat sich zu schnell gewandelt. Dennoch war er mir auch nicht unsympathisch und er war gut herausgearbeitet.

Liana Decter ist quasi eine Femme fatale. Sie weiß genau, wie sie auf Männer wirkt und wie sie das zu ihrem Vorteil und für ihre Machenschaften nutzen kann. Alles in allem war sie ganz gut dargestellt. Auch bei ihr kann ich aber weder sagen, dass ich sie sympathisch oder unsympathisch fand. Sie war einfach ein wichtiger Charakter der Geschichte, bei der man aber auch nicht richtig wusste, wie sie eigentlich sein soll, gut oder böse, lügt sie oder sagt sie auch ab und an die Wahrheit. Daraus wird man bis zum Ende des Buches nicht schlau.

Alle anderen Charaktere haben zur Geschichte und zu Handlung gepasst, waren aber insgesamt etwas farblos.

Geschichte:

Die Idee hinter dem Buch hat mir gut gefallen und war zum Großteil auch gut umgesetzt. Peter Swanson schafft es, auch nach etwas weniger spannenden Szenen, überraschende Wendungen einzubauen, die die Spannung wieder erhöhten. Die Abschnitte aus der Vergangenheit haben die Geschichte aufgelockert und wichtige Informationen geliefert, wenn auch nicht alle. Nach und nach fügen sich die Puzzelstücke aus der Vergangenheit und der Gegenwart zusammen. Dem Leser bleibt dabei viel Luft für eigene Spekulationen und das sogar bis zum Schluss. Denn der Schluss ist eigentlich keiner, er ist sehr offen, macht Lust auf mehr und lässt erahnen, dass da sogar eventuell noch ein zweiter Teil kommen wird. Was ich hoffe, denn wenn Peter Swanson keinen zweiten Teil dazu plant, dann wäre das Ende ziemlich schlecht, so ein Ende ist nur ok, wenn dann irgendwann noch was nachkommt. Die Handlung tröpfelt stellenweise vor sich hin, bleibt aber trotzdem interessant und zwischendurch steigt die Spannung wieder an. Die Wendungen gegen Ende fand ich allerdings etwas eigenartig. Ich habe zwar selber schon an sowas in die Richtung gedacht, aber es war nicht ganz schlüssig umgesetzt, wie George denn jetzt auf einmal auf diese Ideen kommt.

Fazit

Ein leicht zu lesendes, zum Großteil spannendes und unterhaltendes Buch. Die Charaktere waren ok, wenn ich auch nicht wirklich mit ihnen warm werden konnte, haben sie dennoch zur Geschichte sehr gut gepasst. Mir hat die Idee gut gefallen, die Umsetzung war nur hier und da nicht ganz rund. Insgesamt hat es mir aber Spaß gemacht das Buch zu lesen und ich habe definitiv Lust auf mehr. Nur als Thriller finde ich kann man das Buch nicht bezeichnen, eher ein guter Krimi. Für einen Thriller war es definitiv nicht packend genug, als Krimi macht es aber was her. Würde ich halbe Punkte vergeben, wären es 3,5. Da ich das aber nicht mache und es doch eher zu vier Herzen tendiert, gebe ich vier Herzen.

4herzen

Autor:

Peter Swanson hat bereits für einige namhafte Magazine wie The Atlantic Kurzgeschichten und Gedichte verfasst. Er machte Abschlüsse im kreativem Schreiben, Pädagogik und Literatur. Er lebt mit seiner Frau in Somerville, Massachusetts. Die Unbekannte ist sein Debüt.

 

Rezensionen/Reviews

[Rezension] Totenfrau - Bernhard Aichner

2. November 2014
Totenfrau, Bernhard Aichner (c) btb - randomhouse

Totenfrau, Bernhard Aichner (c) btb - randomhouse

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„Es gibt keine Regeln mehr, nur noch sie selbst entscheidet, sie allein. Keine Befehle mehr, keine Verbote.“ (S. 10)

Blum ist Bestatterin, die liebevolle Mutter von zwei Kindern und glücklich verheiratet. Doch ganz plötzlich gerät ihr Leben durch einen Unfall ihres Mannes aus den Fugen. Vor ihren Augen wird er überfahren. Der Fahrer haut einfach ab. Alles was sie sich aufgebaut hatte, bricht in diesem Moment zusammen. Sie trauert, weil das Wichtigste in ihrem Leben nicht mehr da ist, ihrer ganzer Halt, ihr Glück. Zufällig findet sie heraus, dass der Tod von Mark scheinbar kein Unfall war und Blum sucht Rache und schlägt zu. Erbarmungslos.

 

Meinung

Schreibstil:
Der Schreibstil von Bernhard Aichner ist sehr besonders. Ein Stil, den ich so noch nie gelesen habe. Das Buch besteht nur aus kurzen Sätzen, manchmal sogar nur ein oder zwei Wörter, ziemlich oft die Namen, um die es gerade geht. Das hat stellenweise allerdings genervt, immer wieder Blum. Blum und Mark. Blum. Ansonsten fand ich den Schreibstil einfach wunderbar. Was ganz anderes, was ganz Besonders, klar, hart, brutal, erbarmungslos, temporeich, provokativ und gleichzeitig eingehend und bewegend.

„Blum schreit. Lange und laut. Minutenlang ihre Stimme auf der Straße. Ihr Flehen, ihr Bitten, ihr Mund, wie er auf- und zugeht.“ (S. 44)

Charaktere und Geschichte:

Heute fasse ich diese Punkte mal zusammen, weil es finde ich kaum anders geht. Denn das wichtigste an diesem Buch ist Blum, eigentlich Brünhilde, und sie ist auch die Geschichte des Buches. Sie ist eine liebenswerte Mutter und Ehefrau und ich fand sie in diesen Momenten sympathisch. Nachdem Prolog hätte ich nicht gedacht, dass sie mir mal sympathisch werden kann, doch schnell lernte man kennen, was sie in ihrer Kindheit alles durchmachen musste.

„Wenn sie sich weigerte, sperrte man sie in den Sarg. Unzählige Male, stundenlang im Dunkeln, ein kleines Kind, ängstlich, allein.“ (S. 13)

Blum hat mittlerweile ein tolles Leben. Hat es sich erkämpft, ihr Glück, ihren Zufluchtsort, ihren Halt gefunden. Mit Mark. Doch dann stirbt er. Sie findet Tonbandaufnahmen und entdeckt so zufällig das hinter dem Unfall mehr steckt, dass es vermutlich kein Unfall war. Und sie will Rache. Denn Blum hat viele durchlebt und in ihr schlummert eine tickende Zeitbombe, eine Zeitbombe, die nun hochgeht. Erbarmungslos startet sie zu einem Rachefeldzug, ein Rachefeldzug, der stark an Dexter erinnert. Der sogar auch erwähnt wird in diesem Buch.

Blum ist eine starke Protagonistin. Eine außergewöhnliche, grausame und gleichzeitig sympathische Protagonisten. Blum, die ohne diesen Schreibstil nicht funktionieren würde und der Schreibstil, der ohne Blum nicht funktionieren würde. Diese beiden haben aus dem Buch die wahre Kunst gemacht.

Die Handlung fand ich hingegen etwas schwach. Ein typischer Rachefeldzug. Alles läuft etwas zu geschmeidig, mit zu wenig Hindernissen. Das war für mich nicht realitätsnah und dadurch war es stellenweise zu fad.

Doch ich finde, dass Blum und der Stil das wahre Kunstwerk sind, da ist die Handlung eigentlich sogar Nebensache. Entweder man verliebt sich in diesen Stil oder eben nicht. Mit der Wendung am Ende konnte Aichner noch einmal richtig überraschen, ebenso wie mit dem Ausstieg. Das beantwortete mir die Frage, die mich das ganze Buch über brennend interessiert hatte und hat das Buch rund abgeschlossen.

„Mit Hagens Motorsäge durchtrennt sie die Knochen, das Blut spritzt, es rinnt in die Wanne, sie saugt es ab, es ist überall, sein Fleisch, sein Fett, sein widerlicher Kopf, den sie einfach absägt.“ (S. 207)

Fazit

Ich musste hier erste einmal eine Nacht schlafen, bevor ich mich entscheiden konnte, wie ich das Buch nun fand. Am Anfang fand ich es richtig super, dann zu krass, zu brutal. Dann zu simpel. Doch schließlich hat für mich der Schreibstil und Blum, diese kunstvolle und einzigartige Kombination überwogen. Eine etwas zu glatte Handlung, aber ein faszinierender Schreibstil, rasant, brutal und gefühlvoll. Somit kann ich doch vier Herzen geben. Ich empfehle allen, erst einmal die Leseprobe zu lesen.

4herzen

Autor:

Bernhard Aichner wurde 1972 geboren und lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck. Er schreibt Hörspiele, Theaterstücke und Romane. Er wurde bereits mit mehreren Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet. Totenfrau ist der erste Roman, der bei btb erschien. Die Rechte wurden bereits vor Erscheinen international verkauft. Für die Recherche hat Aichner auch ein halbes Jahr bei einem Bestattungsunternehmen als Aushilfe gearbeitet.

Hier seine Website

Hier findet ihr eine Leseprobe

 

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