Interviews

Darf ich bitten – Horus W. Odenthal

18. Oktober 2014

darf-ich-bittenHuhu meine Lieben. Heute mach ich weiter mit dem zweiten Interview unseres zweiten Teils von „Darf ich bitten“. Ich durfte Horus W. Odenthal mit meinen Fragen löchern und freue mich, euch seine tollen und ausführlichen Antworten vorstellen zu können. Wer noch Lust hat bei den anderen zu stöbern, kann einfach mal bei der Zwischenbilanz vorbei schauen, dort sind noch mal alle Interviews von Teil eins aufgeführt. Und hier gehts noch mal zu Anja Bagus, dass erste Interview von Teil zwei, ebenfalls bei mir.

Horus W. Odenthal im Interview

Wie ich schon bei der Rezension zu Ninragon geschrieben habe, ist es am besten, wenn ihr einfach mal auf seiner Website vorbeischaut und dort seine Biografie lest. Also starte ich direkt mit dem Interview:

Horus W. Odenthal von http://horus-w-odenthal.de/

Horus W. Odenthal von http://horus-w-odenthal.de/

Hallo Horus, vielen Dank, dass du bei Darf ich bitten dabei bist. Erzähl doch erst mal etwas über dich. Wer bist du, wo lebst du und was sind deine Hobbies?

Ich bin ein Mensch, der sich schon immer für kreative Tätigkeiten, für verschiedene Ausdrucksformen und Medien interessiert hat, Bücher, Musik, Filme usw. Das hat dazu geführt, dass ich irgendwann Comics als mein Medium entdeckt habe. Hier konnte ich meine Leidenschaft für’s Geschichtenerzählen, den Umgang mit Sprache und das Zeichnen miteinander vereinen. Das habe ich ziemlich lange Zeit gemacht und war dabei in unterschiedlichen Genres tätig, meist als Autor und Zeichner in Personalunion, manchmal mit anderen Leuten als Schreibern. Dabei ist unter anderem auch der Keim für das Ninragon-Universum entstanden, ein Urban-Fantasy-Comic der in den USA „Shadow Reigns“ in Deutschland „Schattenreich“ hieß. Zu ihm kehre ich gerade wieder zurück, d.h. ich schreibe gerade eine Romanversion dazu. Die Grundidee ist dabei erhalten geblieben, aber große Teile der Handlung haben sich über die Jahre und mit dem anderen Material, das ich zu „Ninragon“ geschrieben habe verändert. Einige der Hauptfiguren aus „Ninragon“ haben hier ihren Ursprung.

Irgendwie hat sich dadurch, dass ich diesen Kim für die Geschichte jetzt ins Ninragon-Universum integriere, für mich ein Kreis geschlossen.

Ich lebe heute mit meiner Frau und zwei Zwillingstöchtern im äußersten Randgebiet dessen, was man noch als Rheinland bezeichnen kann, an der Grenze zur Eifel mitten im Grünen.

Neben dem Rheinland ist der Südwesten der USA die Heimat meines Herzens. Ich habe Freunde dort und wir waren sehr oft da und werden das auch in Zukunft wieder aufnehmen. In der letzten Zeit war der Aufbau meiner schriftstellerischen Tätigkeit mein Hauptanliegen, die Orientierung in diesem neuen Bereich. Aber ich bin froh, hier jetzt meinen Weg gefunden zu haben. Meine Zeit teile ich daher zwischen dem Leben mit meiner Familie und der Produktion von möglichst vielen neuen Geschichten aus dem Ninragon-Universum auf.

Meine Hobbies sind neben diesen beiden Lebensbereichen, die viel meiner Zeit in Anspruch nehmen, alles, was den Geschichtenerzähler in mir inspiriert, das Lesen, Filme, Serien, Bilder, das Leben in all seinen wunderbaren Erscheinungsformen. Außerdem mache ich seit neuestem wieder Musik. Musik war immer wichtig für mich, aber ich habe erst über meine Lesungen wieder entdeckt, wie gerne ich wieder singen möchte.

Ich habe nämlich dort, zwischen Texten aus den Romanen immer wieder selbstgeschriebene Liedfetzen vorgetragen, die an die Geschichten anknüpfen und so etwas wie Themen zu bestimmten Szenen, Situationen, Personen und Aspekten der Geschichte darstellen.

Ach ja, und ein gutes Bier weiß ich auch zu schätzen. Keine Massenbiere sondern wirklich qualitativ gute Biere, die oft aus kleinen Brauereien kommen. Da habe ich das Glück, dass es direkt im nächsten Ort einen Hobby-Kneipier gibt, der sein eigenes Bier braut und dabei immer wieder experimentiert. Seines ist mittlerweile mein Lieblingsbier geworden.

Was war das erste Buch, das du selbst gelesen hast?

Ich vermute, es war „Der Schatz im Silbersee“. Zumindest ist es das erste, an das ich mich bewusst erinnere. Das hat dann auch schon bei mir den Keim dafür gelegt, dass ich Geschichten erzählen wollte, die andere Menschen erreichen und sie fesseln.

Was machst du neben dem Schreiben?

Das meiste habe ich oben schon angedeutet. Ich verbringe Zeit mit meinen Mädels, dem großen und den beiden kleinen, lese, interessiere mich für Filme, mache Musik und trinke zwischendurch gerne ein Bier.

Was liest du selbst gerne?

Es hat sich in der letzten Zeit so entwickelt, dass ich bevorzugt in den Genres lese, in denen ich auch schreibe. Vorher habe ich quer durch die Literatur gelesen. Ich mochte eine Zeit Thomas Mann und Alfred Döblin sehr gerne. Inzwischen ist es viel Fantasy. Es ist immer ungerecht und einseitig verzerrend, nur einige Schriftsteller aus dem Spektrum dessen, was man liest herauszupicken. Wenn ich welche nennen sollte, dann fallen mir gerade jetzt in diesem Bereich Richard Morgan, Joe Abercrombie, R. Scott Bakker, Glen Cook und Steven Erikson ein – aber da sind natürlich noch viele andere mehr. Ich habe noch vor Kurzem eigentlich mehr aus dem Science-Fiction-Bereich gelesen und ich mag noch immer ziemlich viel aus diesem Genre, würde auch gerne wieder mehr darin lesen. Dort mag ich Leute wie William Gibson, Iain Banks, Lois McMaster Bujold, Frank Herbert – Dune, klar –, Dan Simmons. Ich stehe sehr auf die Romane von Leigh Brackett. Die gehören eher zu den klassischen Weltraum-Abenteuern und haben oft einen gehörigen Schuss Fantasy. Wobei ich ja SF – Ketzermodus an – ohnehin eher als Fantasy mit Maschinen und einem (vorrangig) technisch-naturwissenschaftlichen Weltbild sehe. Aber ich mag zum Beispiel auch Clive Barker und Stephen King, bei letzterem am meisten seine Art zu Erzählen und seine Attitude. Viele seiner Bücher sind mir allerdings inzwischen zu gedehnt; vielleicht habe ich aber auch mittlerweile nicht mehr so viel Geduld.

Außerdem liebe ich die Bücher von Elmore Leonard, den die meisten von den Verfilmungen seiner Krimis wie „Schnappt Shorty“. „Out of Sight“ und anderen kennen. Die Serie „Justified“ wurde außerdem nach seinen Geschichten gedreht. Ich glaube aber fast, dass ich seine Western, mit denen er begann, den Vorzug gebe. Leonard ist ein Meister, der alle Tricks des Handwerks virtuos beherrscht. Weil er aber so unterhaltsam ist, bemerken das die meisten nicht.

Wie kamst du zum Schreiben?

Irgendwann kam für mich bei den Comics der Punkt, wo ich den Eindruck hatte, vor einer Wand zu stehen. Merkwürdiger-, oder auch nicht merkwürdigerweise – taucht genau dieses Bild als Metapher in meinem letzten Comic „Post Mortem Blues“ auf, der ein großes Rätsel nach der Art eines David-Lynch-Films ist. Die Geschichten, die ich in diesem Medium praktisch erzählen konnte, reichten mir nicht mehr aus. Praktisch heißt in diesem Zusammenhang in Anbetracht eines vernünftigen Zeitaufwandes und dessen, was in der Verlagswelt überhaupt zu platzieren war. Das heißt, für die Stories, die ich eigentlich erzählen wollte, hätte ich, rein für’s Zeichnen viel zu viel Zeit gebraucht und niemand hätte so etwas veröffentlichen wollen, weil es nicht gängigen Trends und Formaten entsprach. Außerdem ist man beim Comic – zumindest war das bei mir so – so viel länger mit dem Ausführen, mit dem Zeichnen beschäftigt als mit dem eigentlichen Geschichtenerzählen, dem Schreiben und Skizzieren. Und in der Zwischenzeit flüsterte mir mein kreativer Tinnitus unzählige neue Geschichten ein.

Ich hatte in den USA und in Deutschland veröffentlich und für meine Comics Preise bekommen, mein Comic über Schiller (der übrigens demnächst wieder veröffentlicht wird, nachdem er lange Zeit vergriffen war) hatte nicht zuletzt durch die unkonventionelle Art, so ein Thema anzugehen, einiges Aufsehen in den Medien erregt, und trotzdem war ich mit meiner Arbeit – man kann es nicht anders sagen – in einer Krise. Ich wusste nicht wohin und die alten Wege wollte ich nicht mehr gehen, sie ödeten mich zusehends an. Ich wollte etwas Neues. Ich wollte vorwärts.

In dieser Situation fragte mich meine Frau: „Warum schreibst du nicht einfach mal ein Buch?“

Eigentlich lag es auf der Hand: Ich hatte immer Bücher geliebt und das Schreiben war der befriedigendste Teil des Comic-Prozesses.

Es war zwar eine Lösung, aber einfach war es nicht.

Der leichte Teil war, dass ich mich hinsetzte und anfing, das letzte Projekt, mit dem ich mich herumgetragen hatte, statt als Comic anzugehen, jetzt als Roman zu schreiben – und dass ich dabei nach kurzer Zeit wusste: Das ist es. Ich war süchtig nach Schreiben geworden.

Nicht so leicht war es dagegen, in diesem neuen Medium meinen Standpunkt zu finden. Sowohl den kreativen als auch den unternehmerischen.

Nach den Comics musste ich mich erst einmal von einer ganzen Masse von Ballast befreien um einen Weg zu finden, wie ich Geschichten erzählen wollte und wie die beschaffen sein mussten. Das heißt, ich habe eine Zeit erst einmal für mich geschrieben, habe mich dabei freigeschrieben, und danach war ich dann so weit, dass ich auch mit Hinblick auf die Leser schreiben konnte.

Es war dann merkwürdig, als ich dann bei Stephen King las, dass er genau diese zwei Phasen auch beim Schrieben eines jeden Buches durchmacht.

Bei mir war es erstmal eine Phase, um mich vom alten Medium zu verabschieden und das Neue auszutesten. Einiges davon, was ich damals geschrieben habe, gehört meiner Meinung noch immer zu meinem Besten.

Ich denke, jeder Schriftsteller kennt diese Phasen des Sich-frei-Schreibens. Sie kommen zu verschiedenen Zeiten, können mal länger mal kürzer sein; manchmal reichen auch schon ein oder zwei Absätze als Lockerungsübung.

Mein erstes Buch ist dann nicht als mein Debüt erschienen sondern etwas später, nachdem ich es stark überarbeitet hatte, all das, was nur für mich rein zum Freischreiben wichtig war rausgeschmissen und alles dann in Hinblick auf den Leser verdichtet hatte. So was nennt man gemeinhin die zweite Fassung. Bei mir lag längere Zeit zwischen der Erstfassung „bei geschlossener Tür“, wie Stephen King es nennt, und der Zweitfassung „bei offener Tür“.

Der Roman ist unter dem Titel „Hyperdrive“ erschienen.

Die andere Seite der Selbstfindung bestand darin, dass es zu Anfang meines Schreibens nur den konventionellen Weg des Schriftstellers gab. Dann wurde plötzlich Self-Publishing möglich. Es war für mich auch ein Prozess, bis mir klar wurde, dass dies nicht nur für mich der beste Weg ist, sondern die Zukunft; der Weg für jeden modernen Autor, der die Kontrolle über das, was er schreibt und in Zukunft schreiben will, behalten möchte, der seine kreative Mündigkeit bewahren möchte und auch nur einen Funken Interesse an den anderen Sachen rund ums Schreiben hat.

Wie und wo schreibst du am liebsten?

Ich schreibe, sobald ich am Tag kann. Also sobald die Kinder versorgt und in der Schule sind. Alles andere kommt später. Ich bin kein Nachtarbeiter; ich brauche das Licht. Vielleicht erklärt das auch meine Liebe zu sonnengetränkten Landschaften wie der Wüste des amerikanischen Nordwestens.

Ich schreibe in meinem Schreibzimmer. Dort sind viele meiner Bücher. Ich schreibe im Blick auf eine Bücherwand mit meinen Lieblings-Genrebüchern.

Horus W. Odenthal ist nicht dein richtiger Name, sondern ein Künstlername. Warum hast du dich für einen Künstlernamen entschieden und wie kam es zu diesem?

Das stimmt nur zum Teil. „Horus“ ist als Name in meinem Pass eingetragen. Zunächst war es wirklich ein Künstlername für die Comics aber nach und nach hat der Name um sich gegriffen, so dass mich inzwischen jeder so nennt, außer meinen Eltern und dem Finanzamt. Meinem „bürgerlichen“ Vornamen habe ich aber immer noch einen Platz als Mittelinitial meines Schriftstellernamens zugestanden. Er soll schließlich auch irgendwie zu seinem Recht kommen.

Warum Horus? Horus passte einfach. Ich bin Horus.

Ninragon ist eine vollkommen neue Welt, mit ihren eigenen Geschichten, Kriegen und Sprachen. Wie schafft man es, ein solches Buch zu schreiben und den Überblick zu behalten? Welche Tricks und Hilfsmittel hast du verwendet?

Zum einen hilft mir das geniale Schreibprogramm Scrivener all meine Notizen zu verwalten und zum anderen habe ich meine „Ninragon-Bibel“, wo ich alle Infos sammle. Ich nenne sie „Kompendium Marani“. Ich könnte sie allerdings auch einmal wieder gründlich aufpolieren. Ich finde mich darin zurecht, aber wenn vielleicht andere Autoren einmal darauf zurückgreifen wollen, dann muss ich einiges überarbeiten.

Ich würde gerne Autoren einladen, sich in meiner Welt auszutoben. Ich habe mir auch schon einiges dazu überlegt. Die Bedingungen sind simpel und absolut zugunsten des jeweiligen Autors. Wahrscheinlich werde ich demnächst etwas mehr dazu sagen. Wer jetzt schon Lust hat, kann gerne bei mir nachfragen. Hier nur so viel dazu: Ich will keinerlei Tantiemen, man sollte sich nur mit mir absprechen, dass es in den Kanon passt. Und es sollte irgendwo das Ninragon-Logo tragen. Nachfragen gerne an mich.

Bei den Ninrae und dieser vollkommen eigenständigen Welt musste ich zu Beginn kurz an Tolkien denken, doch deine Ninrae sind soviel härter, als alle Arten von Elfen, denen man sonst in Büchern begegnet. Hattest du für deine Ninrae trotzdem solche Elben bzw Elfen von Tolkien und Co. als Vorbild?

Natürlich war „Der Herr der Ringe“ eines der Bücher das ganz am Anfang meiner Entdeckung der Fantasy stand – nach Robert E. Howard, dem Erfinder von Conan. Ich liebe das Buch noch immer. Und natürlich auch die Filme. Aber danach hat jeder dieses Konzept der Elfen/Elben verwendet und es wurde verwässert bzw. zu einem Klischee.

Ich wollte etwas anderes machen. Ich wollte weitergehen.

Wenn ich Konzepte für mich entdecke, stelle ich mir oft zwei Fragen: Was bedeutet das eigentlich und wie fühlt es sich an?

Dies im Blick habe ich auch meine Elfen bzw. Ninraé und Kinphauren entwickelt.

Elfen sind eigentlich eine nichtmenschliche Rasse. Sie habe feinere Sinne als Menschen. Und noch einiges mehr.

Sie sind … Aliens. Das hatte meiner Meinung nach niemand mit dieser Konsequenz verfolgt. Außer in der Science Fiction.

Davon bin ich ausgegangen. Und von der Vision der Elfen, die von einem anderen Schriftstreller stammte und relativ zeitgleich mit dem „Herrn der Ringe“ erschien: „Das geborstene Schwert“ von Poul Anderson. Hier sind die Elfen wilder, unberechenbarer, unmenschlicher, mehr den Vorstellungen aus den Sagen des Nordens entsprechend.

Und dann habe ich mich gefragt: Gehen wir einmal davon aus, Tolkiens Geschichten wären nur Überlieferungen; wie säen die Geschöpfe hinter dem Schleier dieser märchenhaften Verbrämung tatsächlich aus und wie würden sie sich selber sehen?

Eigentlich sind es also im Prinzip die gleichen Elfen wie bei Tolkien nur mit einem moderneren und realistischer Blick gesehen.

Auric, ein wichtiger Hauptcharakter, ist von Geburt an ein Barbar, in dem aber doch mehr steckt und so anders als die Helden und Protagonisten die man so kennt. Für mich ein wirklich sehr gelungener Protagonist. Wie entstand Auric? Wie kamst du darauf, einen solchen Hauptcharakter zu schaffen?

Auric war eine der ersten Figuren über die ich als Kind geschrieben habe. Von diesen ersten Versuchen ist wenig

mehr als der Name übrig geblieben.

Hours W. Odenthal

Hours W. Odenthal

Ich hatte schon gesagt, dass Robert E. Howards Geschichten zu meinen ersten Begegnungen mit dem Fantasy-Genre gehörten. Howard hat auch Conan geschrieben. Auric ist so etwas wie ein Gegen-Conan. Ich habe mich gefragt, wie ein Mensch, der mit überdurchschnittlicher Intelligenz ausgestattet ist, eine solche Welt, wie sie bei Conan geschildert wird, erleben und empfinden würde. Bei Auric kommt der Blick von außen auf die Umstände, in die er hineingeboren wurde, hinzu. Er wurde ihm durch seine Mutter geschenkt, die nicht dieser „Barbaren“-Kultur entstammt.

Eigentlich sind diese ganzen in den Barbaren-, Wikinger-, was-auch-immer-Romanen verherrlichten Lebensweisen ziemlich furchtbar. Was macht jetzt ein Mensch, der damit aufwächst, das aber nicht als gegeben hinnimmt, sondern die ganze Stumpfheit und Dummheit durchschauen kann?

Was steckt hinter den ganzen Klischees von den heldenhaften Nordmännern.

Von da an, entwickelte sich die Figur von Auric praktisch von selbst.

Man werfe das Ganze in einen Topf und lasse es genügend lange köcheln.

Auric ist kein Held im klassischen Sinne, kein „Knabe der Prophezeiung“, dem alles in den Schoß fällt. Er muss seinen Weg selber finden. Er muss sich seinen Weg, zu dem, der er wirklich ist, erkämpfen.

Das ist der wirkliche große Kampf in der Ninragon-Trilogie.

Deine Bücher gibt es als unabhängige eBooks. Willst du immer als Indie-Autor arbeiten oder kommt für dich auch die Zusammenarbeit mit einem Verlag in Frage?

Ich bin ein freier Autor. Ich behalte die kreative Entscheidung über meine Werke. Ich schreibe nicht etwas und gebe dann jede Verantwortung an jemanden anderen ab, der dann gut oder schlecht damit anfangen kann, was er will. Ich möchte mich nicht in eine solche Abhängigkeit begeben. Ich möchte nicht meine kreative Mündigkeit mit der Unterschrift unter einem Vertrag einfach so weggeben. Ich bin als Schöpfer meiner Werke, der sie selber verlegt und vermarktet viel besser dran. Ich entscheide über Cover und darüber, welches Buch ich als nächstes schreibe. Und ich entscheide, dass ich eine lange und komplexe Serie von Büchern schreibe, die alle in einem Universum spielen, in dem es viele Türen gibt, durch die man es als Neueinsteiger betreten kann. Welcher Verlag würde mir diese Möglichkeit bieten?

Es gibt niemanden, der darüber entscheidet, ob ich eine Chance für meine Ideen bekomme. Ich stelle mir selber diese Lizenz aus. Es gibt niemanden, der darüber entscheidet, ob ich ein A-, B-, C- oder F-Autor bin und entsprechend dieser Einordnung vermarktet werde. Was hieße, es könnte sein, dass man meine Bücher einfach in die Läden wirft und sie und mich dort verhungern lässt bis sie nach einem Monat oder etwas mehr zurückgeschickt werden.

Was nicht bedeutet, dass ich nicht mit einem Verlag zusammenarbeiten würde. Ich mache es in dem Moment, in dem es Sinn macht.

Sinn macht es meiner Meinung nach aber vor allem nicht mehr nach dem alten Modell.

Eine gute Zusammenarbeit mit einem Verlag ist eine strategische Kooperation zwischen Autor und Verlag. Ich entscheide, was genau ich zusammen mit einem Verlag machen will, was für beide vorteilhaft ist und beide einen oder mehrere Schritte weiterbringt.

Ich kann mir zum Beispiel gut vorstellen, dass ich mit einem Verlag bei der Schiene der gedruckten Bücher zusammenarbeite. Das kann zum Vorteil für Verlag und Autor sein. Oder etwa bei Hörbüchern. Oder was bestimmte Länder betrifft, die ich selber weniger effektiv beliefern kann.

Was ich mir nicht vorstellen kann, ist einfach alle Rechte an einen Verlag abzugeben, damit der nach Belieben darüber verfügen kann. Das funktioniert meiner Meinung nach nicht mehr. Die Welt hat sich geändert. Zu allererst haben die großen Verlage sich geändert – viele nachdem sie von großen Konzernen aufgekauft wurden und nach deren Regeln spielen mussten.

Alles was danach kam, waren dann nur die Folgen davon.

Der Siegeszug von Amazon wurde durch diese Haltung der Verlage erst möglich. Daher empfinde ich diesen Sturm der alten Garde gegen Amazon als ziemlich verlogen. Es stehen andere Interessen dahinter, als die, die man groß und hehr nach außen hin vorträgt – die, mit denen man auch die Autoren mobilisiert und vorschiebt. Die Berichterstattung ist in diesen Punkte meist ziemlich verzerrt.

Was sind für dich die Vor- und Nachteile beim Selfpublishing?

Die Vorteile: Ich bin mein eigener Herr, und meine Schöpfung bleibt meine Schöpfung. Ich kann meine Interessen ausgezeichnet vertreten und behalte meine kreative und unternehmerische Mündigkeit.

Die Nachteile: Es wäre schön, in einem Team zu arbeiten und sich auf die Dinge konzentrieren zu können, die einem am wichtigsten sind und am besten liegen.

Die Frage ist, wie finde ich solche Teams. Nicht mehr in den Verlagen, die noch nach immer dem alten Modell arbeiten.

Ich hoffe, dass die Verlage sich ändern und die neue Zeit akzeptieren, dass sie neue Wege der Zusammenarbeit finden, bei der sich Autor und Verlag wieder auf Augenhöhe begegnen können.

Aber das geht nur mit einem freien Autor, der auch als solcher akzeptiert wird.

Ich hoffe auf neue Verlage, die neue Partnerschaften eingehen.

Wenn ein Verlag das nicht will, ist es das Beste für einen Autor, seinen eigenen Weg zu gehen.

Ich zähle allerdings auf die Verlage da draußen. Ich zähle besonders auch auf die ganzen kleinen Verlage, die ja in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu treffen, so flexibel zu sein, wie sie selber wollen, ohne einem großen Konzern, der Marketingabteilung oder der Vertreterkonferenz Rechenschaft ablegen zu müssen. Da wedelt heute oft der Schwanz mit dem Hund.

Ich sehe für eine solche Entwicklung Zeichen der Hoffnung. So arbeitet zum Beispiel Anja Bagus bei ihrem neuen Roman mit der Edition Roter Drache zusammen und scheint sehr zufrieden mit dieser Kooperation zu sein.

Die Welt muss sich verändern. Sie hat sich schon verändert.

Jeder Verlag, der genauso denkt und entsprechend handelt, ist mir für eine Zusammenarbeit willkommen. Verlage haben immer die Buchwelt bewegt. Ich hoffe, dass sie den Dreh kriegen.

Gibt es bereits ein neues Projekt? Und wenn ja, willst du uns noch kurz etwas darüber erzählen?

Mein neues und altes Projekt ist Ninragon.

Es wird regelmäßig neue Ninragon-Romane geben.

Das werde ich so gestalten, dass es immer Story-Zyklen gibt, die an verschiedenen Orten und Zeiten dieses Universums angesiedelt sind.

Jeder dieser Zyklen (oder Einzelromane wie „Homunkulus“) ist eine Tür, durch die man ohne Vorwissen diese Welt betreten kann. Sie sind in sich abgeschlossen und liefern dem Neuleser alles, was er zum Verständnis braucht.

Die neueste dieser Türen ist „Ninragon – Verlorene Hierarchien“. Diesmal geht es ins Genre Urban Fantasy. Das heißt, die Geschichten spielen in unserer Welt, zu unserer Zeit.

Diese Geschichte bietet praktisch den Gegenpol zu der Ninragon-Trilogie, die ganz gemäß dem Fantasy-Genre in einer archaischen Zeit spielt und den Anfang der Saga des Ninragon bildet.

„Ninragon – Verlorene Hierarchien“ stellt den Punkt dar, wo vieles zum Abschluss kommt und sich auflöst, wo vieles endet.

Einige Figuren tauchen auf, die dem Leser der Trilogie bekannt sein dürften. Aber sie sind auch sehr verändert. Was die Geschichte zu einem ausgezeichneten Einstiegspunkt macht.

Die Geschichte spielt in der (imaginären) Stadt New Zion an der amerikanischen Westküste. Sie handelt von Menschen, die plötzlich mit dem Auftauchen übernatürlicher Mächte konfrontiert werden und in einem über sie hereinbrechenden Chaos ihren eigenen Weg suchen müssen.

Es verändert sich etwas in der Welt. Ein neues Zeitalter beginnt.

Das Interregnum ist hereingebrochen. Die Regeln werden neu geschrieben.

Ich gehe in dieser Serie demnächst mit drei Publikationen an den Start: zwei Erzählungen unter dem Titel „Twilight Road“, dem ersten Teil „Stadt des Zwielichts“ und dem zweiten Teil „Geist von Stahl und Feuer“.

Lasst euch überraschen. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, holt euch doch einfach „Twilight Road“, in denen Protagonisten aus dem Zyklus ihre eigenen Geschichten erleben.

Es ist tatsächlich einfach und kostet euch keinen Cent. „Twilight Road“ wird nämlich kostenlos erhältlich sein.


Ich danke dir, für das tolle Interview und kann nur sagen, bei einer Lesung von dir, wäre ich ja gerne mal dabei, das klingt sehr interessant. Vielleicht verschlägt es dich damit ja mal in die Nähe von Nürnberg :). Bie King kann ich nur zustimmen, ein toller Schrifsteller, aber auch ich finde gerade die neueren Werke etwas zu lang gezogen.

Buchvorstellung

Horus hat bereits viele Projekte veröffentlicht. Erst waren es Comics, dann kam Hyperdrive und schließlich die Ninragon Welt mit der Triologie sowie Homunkulus und Ninragon – Der schrecken der Vorzeit. Nachdem es so viele sind, schaut doch am besten direkt auf seiner Website nach. Ich kann es euch auf jeden Fall empfehlen, dort zu stöbern. Ninragon Teil eins habe ich bereits gelesen und fand es klasse.

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2 Kommentare

  • Reply [Blogger-Aktion] – Die ersten Termine - Lovely Mix 26. November 2014 at 15:44

    […] Horus W. Odenthal […]

  • Reply Monatsrückblick Oktober | Lovely Mix 13. Dezember 2014 at 19:31

    […] Darf ich bitten: Horus W. Odenthal […]

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