Interviews

Darf ich bitten – Christine Sylvester im Interview

3. August 2014

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Huhu ihr Lieben. Hier bin ich wieder mit Interview Nummer drei. Hier kommt ihr noch mal zur Übersicht aller Termine mit den Links zu allen andernen Interviews unserer Aktion. Nicht vergessen, bei vielen gibt es auch immer wieder etwas neues zu Gewinnen.

Christine Sylvester im Interview

christine-sylvesterChristine Sylvester wurde 1969 in Bielefeld geboren. Sie studierte Philosophie und Journalistik und arbeitet als freie Autorin und Dozentin. Seit 2005 schreibt sie eigene Bücher, von Kriminalromanen über Frauneromane bis zu Romanen für Kinder. Mit Mann und Kindern lebt sie in Dresden.

Hallo Christine, erzähl uns doch erst mal kurz etwas über dich? Wer bist du, wie lebst du, was sind deine Hobbies?

Wer bin ich? Oweia, da könnte ich ins Grübeln kommen … Aber Grübeln ist nicht so mein Ding. Ich mag es lieber konstruktiv. Ich bin 45 Jahre alt, fühle mich aber meist wie 25 (hoffentlich benehme ich mich nicht auch so!), habe zwei Kinder (Sohn, fast 18, Tochter, 9), einen Hund, einen Ex-Mann (der auch der Vater beider Kinder ist) und immer eine Menge Ideen im Kopf. Außerdem bewege ich mich gerne, bin sehr gerne mit spannenden Leuten unterwegs und liebe humorvolle Gespräche.

Hobbies? Nun ja, ich sammle nichts Spezielles und bin auch in keinem Verein. Meine Hobbies sind eher Menschen und Begegnungen, gemeinsame Projekte, manchmal auch basteln, renovieren und solcherlei Kreativitäten. Irgendwas ist immer – und da bin ich dabei, wenn ich nicht dringend „morden“ muss.

Was machst du neben dem Schreiben noch so? Wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?

Neben dem Schreiben „quatsche“ ich, d.h. ich bin freiberufliche Dozentin für Kommunikation und Medien.

Der Vorsatz zum Schreiben ist bereits 33 Jahre alt. Mit 12 Jahren habe ich mir das in den Kopf gesetzt. Ich habe Journalistik und Philosophie studiert, bin also in so ziemlich jedem Schreib-Genre ausgebildet. Nur Vorsatz allein reicht ja nicht, man braucht auch Handwerk.

Was war das erste Buch, dass du selbst gelesen hast?

Das erste Buch war vermutlich Struwwelpeter, oder doch Max & Moritz? Nein, es war „Der Räuber Hotzenplotz“. Aber ich denke, ich habe es mehr auswendig vorgetragen und so getan, als ob ich lese. Mein Opa hat mir viel vorgelesen, und ich habe ihn dann kopiert. „Die Kleine Hexe“ mochte ich auch sehr, und natürlich „Pippi Langstrumpf“.

Ich kann es also nicht wirklich auf den Punkt bringen. Ist mir etwas peinlich, weil ich in meinem Medienunterricht gerne „Medienhelden“-Projekte mache – und nun fallen mir meine eigenen Medienhelden gar nicht mehr so konkret ein 😉

Richtig lesen habe ich erst in der Schule gelernt.

Was ist für dich der perfekte Tag?

Oh, da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich arbeite mit Begeisterung und bin gern kreativ. Insofern würde ich Arbeit und Freizeit nicht voneinander trennen: Hauptsache, Phantasie ist dabei! Der Kopf hat ja sowieso keine Pause, da knirschen immer Geschichten und Projekte herum.

Vielleicht kann ich es so umschreiben: Einen besonderen Tag verbringe ich mit besonderen Menschen. Allen voran meine neunjährige Tochter Marlene.

Ansonsten hätte ein wirklich perfekter Tag für mich vermutlich 48 Stunden 😉

Als gebürtige Dresdnerin, muss ich eine Frage zur Stadt stellen. Dresden ist ja deine Wahlheimat. Warum hat es dich dort hingezogen und was macht Dresden für dich besonders?

Ursprünglich hat es mich wegen eines Zeitungsjobs (Volontärspraktikum) nach Dresden gezogen. Mann und Sohn (damals gerade mal zwei Jahre alt) kamen schnell nach. Denn es war einfach schön – und das ist es immer noch nach 16 Jahren. Ich muss gestehen, dass ich nie zuvor so lange an ein und demselben Ort war. Dresden hat einfach das besondere Etwas. Die Umgebung macht irgendetwas mit mir; ich habe ständig ein Feuerwerk im Kopf.

Zuvor habe ich in Bielefeld, in Bad Mergentheim, Fulda und im Ruhrgebiet gelebt; auch Saarbrücken und Hamburg kenne ich gut. Dresden ist da bisher „best of“.

Wer oder was inspiriert dich?

Neben der Umgebung und Atmosphäre sind es vor allem Menschen, die mich inspirieren. Gespräche, Situationen, Gefühle … Das alles inspiriert mich.

Manchmal sind es auch Ereignisse, die alles andere als schön sind, wie schlimme Auseinandersetzungen, Todesfälle, traurige Dinge, die einen so richtig emotional durchrütteln. Jeder kennt ja solche Momente, in denen einen etwas aus eingefahrenen Denk- und Verhaltensmustern reißt – oft völlig unvermittelt. Das klingt jetzt vielleicht etwas absurd, aber davon kann ich gar nicht genug bekommen. Es ist zwar anstrengend, so ein Emotions-Junkie zu sein, aber es ist tausendmal besser als Lethargie und eingefahrene Strukturen.

Hast du einen Lieblingscharakter und wenn ja warum?

Oh, das ist schwierig. Wenn ich mich jetzt für einen entscheide, maulen die anderen herum 😉 Idealerweise hat man ja in jedem Buch seine Lieblinge.

Besonders gut kenne ich meine Figur Lale Petersen aus den Dresden-Krimis, mit denen bei mir das „Morden“ begonnen hat. Lale und ich haben schon so manchen Kaffee zusammen getrunken und liegen humormäßig voll auf einer Linie. Allerdings darf sie natürlich frecher sein als ich, was ich ihr manchmal schon etwas neide.

Aktuell habe ich noch einen männlichen Protagonisten, der mir von Kapitel zu Kapitel besser gefällt. Er ist skrupellos, smart, gebildet, unglaublich sexy … und er ist Auftragskiller.

Das Warum kann ich beim besten Willen nicht beantworten. Da ist sehr viel situationsabhängig. Ich mag Figuren, die sich ein bisschen verselbstständigen …

Wenn du einen Tag mit deinem Lieblingscharakter verbringen könntest, was würdet ihr tun?

Mit Lale würde ich vermutlich wandern oder auf ein Stones-Konzert gehen, und anschließend in eine gemütliche Kneipe auf einen trockenen Rotwein und eine Menge Gelächter. Vermutlich würden wir gemeinsam über Paul Winter lästern ;).

Mit meinem neuen Lieblingskiller würde ich aktiv Fluchtmöglichkeiten testen und ihn ein bisschen stressen. Auf den kommt im Manuskript noch eine Menge zu. Mal gucken, was er so aushält.

Wo schreibst du am liebsten?

Mhm, meist schreibe ich am Schreibtisch. Ich vermute also fast, dass das mein Lieblingsschreibort ist.

Allerdings habe ich immer Stift und Notizbuch in der Tasche und schreibe besonders gerne handschriftlich. Wo ich dann gerade bin, ist mir fast egal.

Wann ich am liebsten schreibe, kann ich genauer sagen: Morgens sehr früh, wenn noch alle schlafen und ich mich wach schreiben kann, flutschen die Ideen besonders gut.

Aber das Schreiben ist ja bekanntlich ziemlich orgiastisch und daher morgens und mittags gut, nachmittags auch – und abends und nachts sowieso. Entscheidend ist der Flow …

Dein Buch Schattenleben beinhaltet Tagebücher vom Nazideutschland im Krieg, Woher nimmst du die Informationen und wie schaffst du es, die Gefühle, die damals auf den verschiedenen Seiten herrschten, so authentisch wirken zu lassen?

Ja, „Schattenleben“ hat eine Menge Recherche beansprucht. Tagebücher hatte ich aus jener Zeit, allerdings nur als Vorlage, denn meine Figur hat ihre Tagebücher im Alter von 15 Jahren begonnen. Das ist natürlich eine andere Sichtweise als ihre späteren Notizen.

Die Gefühle, die Schreibweise in der Ich-Form … Das hat mich beim Schreiben selbst ziemlich mitgenommen. Vielleicht macht das ein Stück der Wirkung aus.

Die Tagebücher umfassen auch viele Details zu Stasi, RAF und Untergrund-Geschehnissen. Wie lange musstest du dafür recherchieren?

Das kann ich gar nicht genau sagen. Ich habe auf jeden Fall weitaus mehr Fachbücher gelesen als zum Beispiel damals für meine Diplomarbeit. Allerdings bin ich natürlich in jüngerer deutscher Geschichte einigermaßen fit und habe mich früher schon dafür interessiert.

Angefangen habe ich mit dem Romankonzept, dem Exposé und ersten Textproben Anfang 2012. Im Herbst 2012 ging das erste Drittel Text an meine Literatur-Agentin.

Wie hast du es geschafft, bei all den verworrenen Geschehnissen und Handlungen den Überblick zu behalten?

Nun ja, ich habe mir die Erzählweise und Zusammenhänge ja selbst ausgedacht oder ausgewählt. Ich arbeite gern konzeptionell. Und je komplexer das Konzept, desto mehr muss man sich auf verschiedene Handlungsstränge konzentrieren.

Der beste Kontrast zu meinem Feuerwerk im Kopf ist mein sehr konsequenter handwerklicher Pragmatismus.

Was für Tricks hast du, um stets die Fäden eines Buches im Blick zu haben und wieder zusammen zu führen?

Karteikarten und farbige Zettel. Außerdem verfolge ich immer mal wieder beim Schreiben nur einen Handlungsstrang. Aber das sind keine Tricks, das ist Schreibhandwerk. Man muss sich selbst einschränken, begrenzen und immer wieder kontrollieren. Das können andere Autoren sicher bestätigen. Keiner von uns sitzt da und wartet, bis ihn die eine wahre Inspiration überkommt.

Wie kam es zur Idee zu Schattenleben?

Irgendwann hat die Idee im Kopf gepocht. Dann habe ich mehr darüber nachgedacht, angefangen, mir Notizen zu machen, ein bisschen anrecherchiert – und ganz plötzlich war es mein Leib- und Seele-Projekt. Denn das muss ich zugeben: In keinem meiner bisherigen Bücher steckt so viel von mir selbst wie in „Schattenleben“.

Und zum Schluss: Gibt es schon ein neues Projekt und wenn ja, magst du uns noch etwas darüber erzählen?

Meinen sexy Auftragskiller habe ich ja schon erwähnt. Allerdings möchte ich dazu noch nicht allzu viel sagen.

Auch Lale wird beizeiten weiter ermitteln. Doch zunächst mal steht etwas neues ganz oben auf dem Projektzettel: Im Frühjahr 2015 wird ein neuer regionaler Krimi von mir erscheinen. Ein Verlag kam vor wenigen Wochen auf mich zu und fragte: „Können Sie sich vorstellen, eine neue Krimi-Serie für uns zu schreiben?“

Du kannst dir sicher denken, dass ich mich da nicht lange bitten lasse. Und da die Zeit knapp ist und die Ideen nur so sprudeln, tauche ich auch gleich wieder ab in dieses brandneue Manuskript 😉

Buchvorstellung

Schattenleben von Christine Sylvester - Emos Verlag

Schattenleben von Christine Sylvester – Emos Verlag

Ich habe erst vor kurzem Schattenleben gelesen und fand es super.

Verlag: Emons; Erscheinungsjahr: 2014; Autor: Christine Sylvester; Seiten: 304; Format: Taschenbuch

Klappentext:

„Wer weiß, vielleicht werde ich diese Tagebücher eines Tages einem Menschen überlassen, dem ich voll vertraue, wenn ich denn in diesem Leben noch einem solchen Menschen begegnen werde.“

Der plötzliche Tod der Großtante ist ein Schock für die junge Künstlerin Emma Liebmann. Schnell wird klar, dass der Tod der alten Dame kein natürlicher war. Und Emma erfährt bei der Lektüre von Tante Metas Tagebüchern Unglaubliches. Eine unheimliche neue Bekannte, unverhoffter künstlerischer Erfolg, eine sich anbahnende Liebe und ein gefährlicher Autounfall bringen ihr ohnehin aus den Fugen geratenes Leben immer mehr durcheinander. Schließlich lauert ihr der Mörder der Tante auf … Und je mehr sie aus Tante Metas Tagebüchern erfährt, desto klarer wird ihr: Der Mörder kam aus der Vergangenheit und hatte noch eine komplizierte Rechnung offen.

Gewinnen

Und wieder könnt ihr was tolles gewinnen. Und zwar eine Wohnzimmerlesung mit Christine höchstpersönlich. Allerdings regional begrenzt. Also alle, die in und um Dresden herum wohnen oder jemanden dort kennen und wissen, dass sie Fan von Christine sind, aufgepasst. Lasst mir doch einfach einen Kommentar da, indem ihr kurz sagt, dass ihr in den Lostopfspringt und sagt uns doch kurz, was für euch der perfekte Tag ist. Ihr habt Zeit bis zum 10.8.2014.

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5 Kommentare

  • Reply Katja 3. August 2014 at 10:38

    Ich würde gern in den Lostopf springen 🙂
    Ein perfekter Tag beinhaltet …. manchmal ein Treffen mit einer lieben Freundin. Eine (oder mehrere Tassen Kaffee zusammen trinken) und über alles mögliche quatschen. Nur ist das viel zu selten.

  • Reply [Blogger-Aktion] – Dier ersten Termine | Lovely Mix 5. August 2014 at 18:24

    […] Christine Sylvester […]

  • Reply Darf ich bitten – Britta Sabbag im Interview - Lovely Mix 23. August 2014 at 22:14

    […] Und zwar mit meinem vierten Interview. Bisher habe ich schon Franziska Franke, Marlies Lüer und Christine Sylvester interviewt und voraussichtlich im September folgen noch Anja Bagus und Horus W. Odenthal. Auch bei […]

  • Reply Darf ich bitten – Zwischenbilanz - Lovely Mix 6. Dezember 2014 at 18:23

    […] – Bei Cörnchen gab es ein Interview mit Laura Newman. 03.08. – Christine Sylvester stellte sich bei mir meinen neugierigen Fragen. 05.08. – Carolin Wahl hat sich mit Jenny […]

  • Reply Monatsrückblick August - Lovely Mix 6. Dezember 2014 at 18:26

    […] Darf ich bitten – Christine Sylvester im Interview […]

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